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Tagesausgabe

HSBC-Aktie: Was eine Investition vor drei Jahren gebracht hätte

Eine rückblickende Analyse der HSBC-Aktie zeigt das Potenzial einer Investition vor drei Jahren. Wie hätte sich das Investment entwickelt?

Felix Becker//3 Min. Lesezeit

Vor drei Jahren, im Oktober 2020, war die Weltwirtschaft im Umbruch. Die COVID-19-Pandemie hatte wie ein Schatten über den Märkten gelastet. In dieser unsicheren Phase könnte man meinen, dass es eine schlechte Idee wäre, in Aktien zu investieren. Doch einige Anleger sahen in der HSBC-Aktie, einer der größten Banken weltweit, eine Möglichkeit, von der Erholung zu profitieren. Die Frage ist: Wie viel Gewinn hätte eine Investition in die HSBC-Aktie vor drei Jahren tatsächlich eingebracht?

Die HSBC Holdings plc, die im FTSE 100 gelistet ist und stark im asiatischen Markt verwurzelt ist, verzeichnete im Oktober 2020 einen Aktienkurs von etwa 3,75 GBP. Wer damals 1.000 Euro in die Aktie investierte, hätte 267 Aktien kaufen können. Ein Blick auf den aktuellen Kurs, der sich nach einer langen Phase der Unsicherheit und Volatilität auf etwa 5,30 GBP stabilisiert hat, lässt zunächst vermuten, dass sich dieses Investment durchaus gelohnt hätte. Mit einem aktuellen Marktwert von 5,30 GBP würde diese Position nun bei über 1.400 Euro liegen. Ein Gewinn von über 400 Euro klingt verlockend. Aber ist das wirklich die ganze Geschichte?

Die ungeschminkte Realität

Schaut man genauer hin, treten Fragen auf. Zum Beispiel: Wie viele Anleger konnten wirklich so lange wartend investieren und sich den Kursrückgang in der Pandemie leisten? Viele mussten in dieser Zeit Liquidität sichern oder sahen sich gezwungen, ihre Investitionen schnell abzustoßen. Die Volatilität, die die HSBC-Aktie in der Zeit zwischen 2020 und heute durchlief, war enorm. Von Höhenflügen während der ersten Erholungsphasen bis hin zu Rückschlägen aufgrund geopolitischer Spannungen und Änderungen der Zinspolitik der Zentralbanken — ein ständiges Auf und Ab.

Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Dividenden. HSBC war bekannt dafür, eine attraktive Dividende zu zahlen. Doch im Jahr 2020 wurde die Dividende aufgrund regulatorischer Vorgaben ausgesetzt, und das hatte für viele Investoren einen erheblichen finanziellen Einfluss. Wer noch auf die regelmäßigen Ausschüttungen angewiesen war, sah sich hier plötzlich ohne Einkommen. So stellt sich die Frage: Wie viel von dem gepriesenen Gewinn hätte tatsächlich realisiert werden können?

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kaufkraft. Eine Investition von 1.000 Euro im Jahr 2020 hatte einen bestimmten Wert, aber was ist mit der Inflation? Die Kaufkraft sinkt, und der Wert des Geldes verändert sich. Wäre eine Investition in andere Anlageklassen, wie Immobilien oder Edelmetalle, eventuell rentabler gewesen? Oder konnte man auch hier nur Verluste hinnehmen?

In der rückblickenden Betrachtung ist die HSBC-Aktie sicher nicht die einzige im FTSE 100, die unter diesen Bedingungen gelitten hat. Doch die Frage bleibt: Sind die erzielten Gewinne wirklich so überzeugend, oder ist es nur eine Illusion von Sicherheit, die hinter den Zahlen steht?

Insgesamt klingt die Bilanz, die eine Investition in die HSBC-Aktie vor drei Jahren zeigt, zwar positiv. Doch viele Faktoren, die in die tatsächliche Rendite einfließen, bleiben oft in der Diskussion unberücksichtigt. Die rasante Entwicklung der technologischen Unternehmen und der Einfluss der digitalen Transformation auf das Bankwesen könnten ebenfalls bedeutende Fragen aufwerfen. Hätte man besser in die technologische Innovation investiert?

Fakt ist, dass jeder Anleger seine persönliche Risikoaffinität und -toleranz abwägen muss. Die HSBC-Aktie könnte für einige attraktiv erscheinen, gerade in Anbetracht der Erholung nach der Pandemie. Aber sind wir uns wirklich sicher, dass wir ohne ein gewisses Maß an Verantwortung und Analyse die richtigen Entscheidungen treffen? Wie stark beeinflusst unser Vertrauen in die Vergangenheit unsere Entscheidungen für die Zukunft?

In einem Markt, der sich ständig verändert und neue Herausforderungen mit sich bringt, ist es von entscheidender Bedeutung, nicht nur die Zahlen zu betrachten, sondern auch die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Bedingungen und Trends kritisch zu hinterfragen. Wo stehen wir heute, und wo wollen wir in den kommenden Jahren hin?