Depeschen aus dem Irgendwo

 

Depeschen aus dem Irgendwo, eine Sammlung von (bisher 21) Künstlerheften im DIN A 6 Format (Pigmenttinte auf Munken Pur).

Ausführliche Teile der einzelnen Exemplare sind DA einsehbar:              

Die Hefte sind exklusiv über  (link:)  zu beziehen

Über:

„…wäre noch der Dichter und Kleinbuchmacher Meyer nachzutragen. In Kreisen sich glücklich schätzen Könnender kursieren seine handlichen Geschichten- und Gedichtbändchen. Vollständigkeit wäre erstrebenswert, das komplette Chaos der Meyereien allein könnte die Kunst der Vielschicht und Collage, des Kreuz- und Querdenkens, des Absurden und Hellsichtigen widerspiegeln, die diesen Partisanen des Bildes und der Sprache kenn- und auszeichnet.

Als Beispiel vielleicht doch eine von den elf Beamtenbiografien aus Meyers einfühlsamem Portraitband „B.A.T.men“: „Peter S., BAT 2, war schon in psychiatrischer Behandlung, als es seinen Eltern gelang, ihn im Bauamt unterzubringen“.

Und dann aber auch noch den: „If John Wayne’s shorts / Are shorter than Wayne Sorter’s John / How long is Tracey’s Dick?“ Zu albern? Also jetzt endgültig zum Schluss “Syllogisten”: Den besten Fisch gibt’s an der Küste / Die Schweiz die liegt in Bern / Der Sand schmeckt anders in der Wüste / Ich mag den Symbolismus gern.“

Rainer Bessling (Syker Kreiszeitung, Ausschnitt, 2002)

„Christian Meyers Vorliebe gilt dem kleinen Format, den Miniaturen und Fragmenten. Seine Arbeiten gebärden sich als Vorwort oder Supplement, Nachtrag, Ergänzung oder Zwischenbemerkung zu einem größeren Ganzen. Dieses geschieht in bisweilen nostalgischer Wehmut zur romantischen Tradition des frühen 19.Jahrhunderts und der Pop-Kultur der Sixties und Seventies. Auch scheint der Autor um die ausweglose Aporie zu wissen, dass in jedweder Art, die Welt zu betrachten, man den komplexen Verhältnissen niemals Herr werden kann. Bestechend sind Syllogismen, wie das Gedicht: Den besten Fisch gibt’s an der Küste/ Die Schweiz die liegt in Bern/ Der Sand schmeckt anders in der Wüste/ ich mag den Symbolismus gern. (Aus: Christian-Heinrich Meyer: Eine Güte, mein Glück, 11 Gedichte. 1 ebenfalls farbiges Bild. Kapriziöse Bindung, 2000). Syllogismus ist eine grundlegende Strategie Christian Meyers, dessen Geschichten im Alltag und Verborgenen des Banalen verwurzelt und in denen die Helden Beamte, Angestellte, Bauern und Typen des gemeinen Lebens sind.

Christian Meyer ist Sammler von Bildern, Filmstills, Tönen und Geräuschwelten, und er fügt die Fundstücke in seinen Videoarbeiten, Collagen, animierten Kurzfilmen und Hefteditionen zu neuen Bilderwelten zusammen. Die Möglichkeiten des digitalen Crossover sind ihm geeignetes Medium, ebenso wie die »manuell gefertigte« Druckgraphik, die seine Verbundenheit zum analogen Zeitalter manifestiert.“

Sabine Maria Schmidt (Katalog, swb Bremen, Ausschnitt, 2000)

„Christian Meyer bewegt sich frei zwischen verschiedenen Medien und Gattungen: Er macht Filme und Video-Animationen, schreibt Drehbücher, Kurzgeschichten und Gedichte, zeichnet, macht Druckgraphik und sucht und findet Bilder überall. Auch mehrere Hefte in kleinen Auflagen hat er produziert, in denen ebenfalls beide Seiten seiner Begabung zu ihrem Recht kommen, Sprache und Bild. Er bevorzugt dabei oft das kleine Format, den Ausschnitt und das Fragment.

Christian Meyers Bildsprache orientiert sich an derjenigen von Piktogrammen und Comics, aber natürlich ist die klassische Pop Art im Hintergrund ebenfalls präsent. Bei seinen Gestalten hebt er die Kontur hervor und verzichtet auf jegliche Modellierung und Plastizität, ebenso wie auf kleinteilige Binnenzeichnung. Eine Ausnahme bildet eine kleine Gruppe von Zeichnungen, bei denen er die Erscheinung traditioneller Drucktechniken wie Kupferstich oder Radierung imitiert, und in denen Schraffuren und kleine Linien in den farbigen Flächen an diese Tiefdruckverfahren erinnern.

Mit Witz und Ironie, mit Frechheit und scheinbarer Unbekümmertheit erzählt Christian Meyer in seiner Druckgrafik in knapper, fragmentarischer Form Alltags- und andere Geschichten, die uns vertraut und doch fremd erscheinen.

Christian Meyers Blick ist immer kritisch. Und ganz im Sinne einer Strategie der Unterwanderung erzählt er von alltäglichen winzigen oder größeren Grausamkeiten in harmloser, unterhaltsamer Form verpackt – wer verstehen will, der verstehe.

Manchmal feinfühlig zart, manchmal bissig scharf führt er uns so die gelegentlich absurde Banalität aber auch die ganz einfache Schönheit des gewöhnlichen Lebens vor Augen.“

Katerina Vatsella (TZI, Eröffnungsrede, Ausschnitt, 2007)